Erlaufschlucht



Hier kann man einen Voralpenfluss erleben, der sich durch die wilde und zerklüftete Erlaufschlucht seinen Weg gebahnt hat. Erlebe ein einzigartiges Natura-2000-Gebiet, das in der letzten Eiszeit geformt wurde.

Höhenprofil

Purgstall und sein Untergrund

Wir starten unsere Wanderung am offiziellen Parkplatz in Purgstall. Da dieser kostenpflichtig ist, habe ich noch den Tipp für dich, dein Glück auf einer kleinen Stellfläche gleich links nach der Brücke gegenüber der Parkgasse zu versuchen. Es sind nicht viele Plätze, aber vielleicht hat man Glück. Wenn wir nun vom Hauptparkplatz starten, wenden wir uns einmal flussaufwärts und gehen nur ein paar Meter, bis wir die Brücke erreichen, und überqueren diese.

Hier bekommt man schon einen ersten Eindruck von diesem – schon seit 1972 – einzigartigen Naturdenkmal. Über Jahrtausende hinweg grub sich die Erlauf fast 10 Meter tief in das Konglomerat.

Man spricht in der Geologie bei einem Konglomerat von einem grobkörnigen, vorwiegend mechanisch zerstörten Sedimentgestein aus unterschiedlichen Gesteinsklassen. Die mindestens 50 % abgerundeten Komponenten werden hierbei durch eine Matrix verkittet.

Das NATURA 2000 Gebiet

Das NATURA-2000-Gebiet „Niederösterreichische Alpenvorlandflüsse“ stellt ein in Österreich einzigartiges Schutzgebiet dar, das sowohl durch geologische Besonderheiten als auch durch eine bemerkenswerte Artenvielfalt in Flora und Fauna charakterisiert ist


Zu genau diesen Themen wurden 10 Infotafeln aufgestellt. Ob diese noch vor Ort zu finden sind, kann ich nicht sagen, aber wenn sie es noch sind, dann sind sie vermutlich nicht mehr leserlich. In der Quellenangabe verlinke ich die Seite, auf der das Projekt „Naturerlebnisweg“ von der Gemeinde vorgestellt wird und jede Tafel als PDF verfügbar ist.

Dem Praterweg entlang

Sobald wir uns nun von dem Anblick losreißen konnten, biegen wir nach der Brücke links ab auf den Praterweg. Wer hier einen Platz ergattern konnte, startet direkt von hier. Der Weg führt uns neben der Schlucht entlang und man könnte fast schon meinen, sie würde sich vor uns verstecken und ihre Schönheit noch nicht enthüllen wollen.

Mit dem Erreichen der Aussichtsplattform Nr. 1 dürfen wir zumindest einen kleinen Blick wagen und werden keinesfalls enttäuscht.

Zurück am Weg erreichen wir nach einiger Zeit den Praterrohrsteg, der uns wieder Einsicht in die Schlucht gewährt. Nach einer leichten Biegung der Schlucht ist die Aussichtsplattform Nr. 2 unser Ziel. Von hier führt ein Weg gleich am Ufer entlang, wo wir endlich die schroffen Formen und die Schlucht bewundern können.

Hinab in die Schlucht und hoch hinaus

Einige Engstellen erwarten uns nun, die aber mit ein wenig Kopfeinziehen leicht zu überwinden sind. Nach ein paar Metern gelangen wir an der Lumperhöhle vorbei. Gleich danach biegt der Weg wieder rechts hinauf ab auf den Praterweg. Oben angekommen, geht es nach links. Bevor wir nun das Wäldchen hinter uns lassen, können wir links die Romantikbrücke (Pratersteg) erkennen.

Dem Fluss weiter in Flussrichtung folgend, kommen wir nach einer Weile an der Bergmühle vorbei. Immer neben dem Fluss entlang geht es nun langsam den Hügel hinauf. Nach kurzer Anstrengung werden wir mit einem wunderbaren Panorama belohnt: vor uns die Erlaufschlucht und dahinter Purgstall. In der Ferne lässt sich sogar der Ötscher erspähen.

An der Kante entlang geht es schon wieder, immer links haltend, hinunter und durch eine Kehre am Türkensturz vorbei. An zwei Häusern vorbei überqueren wir danach die Erlauf und biegen nach der Brücke links ab, um nun direkt dem Flussverlauf zu folgen. Es empfiehlt sich, sich bei der Flussschlinge links zu halten, damit man auf die Schotterbank gelangt und der Blick frei wird auf die Schlierwände.

Die einzigartige Natur und viel Geschichte

Schlier ist eine regional bezogene Bezeichnung für verschiedenfarbige, schluffige oder feinsandige Mergel (Kalk-Ton-Sedimente) der zirkumalpinen Tertiärbecken, zum Beispiel im Molassebecken oder Wiener Becken. Der Begriff „Schlier“ stammte vom Geognosten Christian Keferstein.

Direkt am Ufer entlang erleben wir nun die Erlauf hautnah in ihrer ganzen Pracht. Sobald wir nun an der Bergmühle angekommen sind – jetzt auf der anderen Seite –, müssen wir auf den weiter oben gelegenen Weg zurückkehren. Man sollte aber nicht zu vorschnell sein und noch einmal einen Blick zur Mühle richten. Denn Egon Schieles bekanntestes Werk, die „Zerfallene Mühle“ (Bergmühle), entstand genau an dieser Stelle.

Oben angelangt, befinden wir uns nun auf dem „Weg des Friedens“ und bemerken rechts einen Zaun, hinter dem die bereits stark verfallenen und kaum noch erkennbaren Umrisse einstiger Gebäude liegen. Hierbei handelt es sich um das ehemalige k. u. k. Kriegsgefangenenlager Purgstall, das 1915 in Betrieb gegangen ist und in dem während des Ersten Weltkriegs mehr als 80.000 Kriegsgefangene untergebracht waren.

Bei der Romantikbrücke gibt es wieder eine Möglichkeit, in die Schlucht abzutauchen und den Fischersteig entlangzugehen. Auch hier wird man immer wieder überwältigt von der rauen Natur und der Schönheit des Wassers, wie es sich mit Eleganz seinen Weg durch das Konglomerat gebahnt hat.

Auf den letzten Metern hält der Weg für uns noch die ein oder andere Engstelle bereit, die es zu überwinden gilt, also noch einmal Bauch einziehen und durch

Sobald aber Stiegen in unser Blickfeld treten, wissen wir, dass unser Abenteuer hier endet und es nun Zeit ist, sich von einem der schönsten Voralpenflüsse Österreichs zu verabschieden.

Download und Links

Route als GPX-Datei

Link zur Bergfex-Tour

Link zum Instagram-Beitrag

Quellenangaben und informative Links